Aus dem Leben zweier Busfahrer

NWZ-Artikel vom 16.02.2018, Autor: Ch. Hanraets

Aus dem Leben zweier Busfahrer

BERUF - Sechs Fragen an zwei Busfahrer – Was sonst noch zu tun ist, außer fahren

Das Busfahrerleben ist nicht immer leicht. René Oltmanns und Stefan Weski erklären, was noch alles hinter ihrer Arbeit steckt.

FRIESLAND. Der Arbeitsplatz von René Oltmanns ist 12,75 Meter lang, 2,55 Meter breit, hat vier Räder und 47 Sitzplätze. Den Platz mit der besten Aussicht hat er aber selbst: René Oltmanns ist 26 Jahre alt und Azubi bei Bruns Omnibusreisen. „Berufskraftfahrer mit Schwerpunkt Personenbeförderung“ heißt der Job ganz offiziell. Landläufig nennt man das einfach „Busfahrer“ – auch wenn dazu schon etwas mehr gehört als nur den Bus zu fahren. Aber was hat er sonst noch zu tun? Was bringt Busfahrer auf die Palme, was macht er, wenn der Bus einen Platten hat und wieso gibt es auf dem Betriebsgelände eigentlich eine Heizölzapfsäule? René Oltmanns und sein Kollege Stefan Weski stehen Rede und Antwort.

Was muss ein Busfahrer noch, außer Bus fahren
Im Grunde alles, was ein umsichtiger Autofahrer auch muss: Bevor der Bus die Halle verlässt, wird er überprüft. Lampen, Reifen, Ölstand – alles muss in Ordnung sein, bevor es los geht. Als Busfahrer muss man natürlich auch Fahrscheine kontrollieren, verkaufen und Auskunft über die Tarife geben. Was wohl in keiner Stellenbeschreibung auftaucht: Für manche ist der Busfahrer auch so etwas wie ein Kummerkasten, dem sie aus ihrem Privatleben erzählen. „Wir können natürlich nicht immer zuhören, weil wir uns auf den Verkehr konzentrieren müssen“, sagt Stefan Weski. Am Ende der Fahrt wird außerdem aufgeräumt. „Jeder Busfahrer muss seinen Bus besenrein hinterlassen“, sagt Stefan Weski. Da findet man alles Mögliche. „Taschen, Jacken, Handys, Fahrscheine, Portemonnaies“, zählt er auf. Und manchmal auch: Fahrgäste. „Es kommt vor, dass Leute im Bus einschlafen“, erklärt Stefan Weski. Für gewöhnlich fallen die aber spätestens an der Endstation auf, und nicht erst in der Fahrzeughalle.

Wie viele Routen haben die Fahrer im Kopf
Kurz gesagt: alle. Bei Bruns sind es 26 Linien, die nach einer Weile jeder der Busfahrer beherrscht. Wie lange man braucht, um eine Linie aus dem Effeff zu können, ist unterschiedlich. „Für meine letzte Linie hab’ ich etwa eine Woche gebraucht“, sagt René Oltmanns. „Es kommt eben drauf an, wie gut man die Gegend schon kennt.“

Lassen Busfahrer manche Leute absichtlich stehen
Das kennen wohl die meisten, die ihren Bus schon einmal knapp verpasst haben: Der Bus steht schon da, die Schlange am Eingang wird immer kürzer. Man legt einen Sprint ein und kaum hat man den Bus erreicht, fährt der auch schon los und lässt einen einfach stehen. Absicht? „Wir schauen meistens nach, ob da noch jemand angerannt kommt“, sagt Stefan Weski. Aber sobald der Fahrer weiter fahren will, konzentriert er sich auf den Verkehr links von ihm. Spät eintrudelnde Fahrgäste von rechts können da durchaus übersehen werden.

Was nervt mehr: Fahrgäste oder Verkehr
„Im Lastwagen sitzt man ziemlich allein. Im Bus ist immer ein bisschen Action“, sagt René Oltmanns. Für ihn war das einer der Gründe, von der Ausbildung zum Lastwagen- zum Busfahrer umzuschwenken. Und der mit Abstand größte Teil der Fahrgäste verhalte sich auch freundlich. Vergisst einer jedoch sämtliche Manieren und gefährdet womöglich sogar die anderen Fahrgäste, kommt die Polizei ins Spiel. Das sei aber überaus selten. An den Nerven zerrt da manchmal eher der Verkehr. „Viele Autofahrer unterschätzen den Wendekreis und die Größe eines Busses und fahren manchmal zu nah an eine Kreuzung, so dass wir nicht mehr genug Platz haben“, sagt Stefan Weski. „Manche schimpfen dann und regen sich auf. Denen möchte man am liebsten empfehlen, sich selbst einmal ans Steuer eines Busses zu setzen.“

Was hat es mit dem Heizöl auf sich
Heizöl in den Dieseltank zu kippen, ist illegal, weil man dadurch die Steuern umgeht. Dennoch gibt es eine Heizölzapfsäule auf dem Betriebsgelände. Mit illegalen Machenschaften hat das aber nichts zu tun: Mit dem Heizöl wird die Heizung in den Bussen betrieben und es kann dort nachgefüllt werden.

Was macht ein Busfahrer bei einem platten Reifen
Zumindest Reisebusse haben ein Reserverad dabei – und auch einen Wagenheber. Der kann natürlich etwas mehr heben als der Wagenheber im eigenen Auto. Einmal aufgebockt kann das Rad getauscht werden. Wegen der großen Räder ist der Radwechsel aber anstrengender als am Auto. Wie das geht und wie die Technik im Bus funktioniert, lernen die Auszubildenden gleich am Anfang.

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Quelle: NWZ v. 16.02.2018, S. 41; Autor: Christopher Hanraets

 

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